Ablauf der Beratung

Die Erstellung eines Kulturlandplans erfordert die Berücksichtigung vieler Themen, Fragen und Wünsche. Auf der anderen Seite ist Zeit ein wichtiger begrenzender Faktor. Grundlage für die effiziente Erarbeitung eines Kulturlandplans, der inhaltlich hohen Ansprüchen genügt, ist neben effektiven Hilfsmitteln ein gut strukturierter Beratungsablauf. Im Rahmen des Beratungsablaufs sind dem Kulturlandplanberater die Inhalte und Ziele der einzelnen Schritte vorgegeben.

(1) Vorgespräch, Recherche und Informationssammlung

Telefonisches Vorgespräch mit dem Landwirt

Inhalt: Hintergründe zum landwirtschaftlichen Betrieb, Wünsche für Inhalte und Ausrichtung des Kulturlandplans, Motivation des Betriebes, sich für Naturschutz zu engagieren
Ziel: Eindruck vom landwirtschaftlichen Betrieb und Rahmenbedingungen für den Kulturlandplan gewinnen, Motivation des Landwirts identifizieren

Den Auftakt zur Kulturlandplanberatung bildet ein ausführliches Telefongespräch von Landwirt und Berater. Aus dem "Werkzeugkoffer" steht dem Berater hierfür ein Telefonleitfaden zur Verfügung. Da ein als Haupterwerb geführter Milchviehbetrieb ganz andere Rahmenbedingungen für einen Kulturlandplan stellt, als z.B. ein als Nebenerwerb geführter Ackerbaubetrieb, sind Fragen zum Betrieb ein wichtiges Thema.

Noch wichtiger sind jedoch die Wünsche des Landwirts hinsichtlich Inhalt und Ausrichtung des Kulturlandplans. Je nach persönlichen Interessen und Neigungen des Landwirts und seiner Familie führen ganz unterschiedliche Themen zu dem Wunsch nach einem Kulturlandplan. Der Kulturlandplan soll aber nicht nur naturschutzfachliche Informationen liefern, sondern den Landwirt in seinem Engagement bestärken und seine Motivation weiterentwickeln. Eine Identifikation der Motive und der persönlichen Einstellung sind deshalb sehr wichtig.

Recherche und Informationssammlung

Inhalt: Zusammenstellung von verfügbaren naturschutzfachlichen Daten für die Region, in der der Betrieb liegt
Ziel: regionale Naturschutzthemen, -projekte und -ziele identifizieren, damit der Kulturlandplan entsprechend thematisch anknüpfen kann

Der Kulturlandplan soll zwar ein Naturschutzkonzept sein, welches inhaltlich auf den Betrieb zugeschnitten ist, dennoch soll er nicht losgelöst von regionalen Naturschutzzielen und -konzepten "in der Luft schweben". Deshalb identifiziert der Kulturlandplanberater in einer Recherchephase wichtige Naturschutzhintergrundinformationen z.B. Schutzgebiete und geschützte Biotope, besondere Arten und Lebensräume, die von naturschutzfachlicher Bedeutung in der Region sind, regionale Förderprogramme z.B. vom Landkreis usw. Welche Informationen hierfür zusammengestellt werden, hängt auch von der Zugänglichkeit und der Systematik in den einzelnen Bundesländern ab. Diese Phase des Beratungsprozesses soll gewährleisten, dass der Kulturlandplanberater bereits eine grundsätzliche Vorstellung von naturschutzfachlichen Themen in der  Region des Betriebs zum Betriebsbesuch mitbringt und dass, wenn es sich anbietet, an bestehende Konzepte und Initiativen angeknüpft werden kann.

(2) Betriebs- und Flächenbegehung

Inhalt: Erfassung wichtiger Betriebs- und Flächeninformationen im Gespräch mit dem Landwirt, Begehung möglichst aller Betriebsflächen durch den Berater und Erfassung wichtiger naturschutzfachlicher Kenngrößen für die Ist-Zustands-Analyse (=Ökologische Standortbestimmung), Maßnahmenideen entwickeln; gesammelte Informationen auswerten
Ziel: wichtige Informationen zum Betrieb, Landschaft und Naturschutzsituation erfassen, im Kontext mit der betrieblichen Situation auswerten und passende Naturschutzmaßnahmen als Vorschläge entwickeln

Der eintägige Hofbesuch des Kulturlandplanberaters zur Betriebs- und Flächenbegehung ist ein zentrales Element des gesamten Beratungsablaufes. Er beginnt mit einem längeren Gespräch zwischen Kulturlandplanberater und Betriebsleiter, in dem mit Hilfe eines Fragebogens wichtige Betriebsinformationen zur Flächenausstattung, Betriebsschwerpunkten, Bewirtschaftung und Maschineneinsatz usw. erfasst werden. Einerseits hilft dies, den Betrieb kennen zu lernen, andererseits werden wichtige Informationen für die Ökologische Standortbestimmung erfasst:

  • Bewirtschaftungsintensität der Acker- und Grünlandflächen (=> Extensivnutzungsflächenanteil)
  • Einsatz von Maschinen und Bewirtschaftung von Acker und Grünland

Fortgesetzt wird das Gespräch draußen auf dem Hof und den Betriebsflächen. Exemplarisch werden einige Flächen gemeinsam begangen und einige interessante und wichtige Fragenstellungen vor Ort angesprochen. Dieser Punkt ist sehr betriebsindividuell. Bei einem Betrieb werden unterschiedliche Grünlandtypen und die Futtererzeugung im Betrieb besprochen, in einem anderen Landschaftselemente und ihre Pflege diskutiert. Der Kulturlandplanberater soll dieses Gespräch nutzen, um mehr über den Landwirt und seinen Betrieb zu erfahren. Wie nimmt der Landwirt die Landschaft in seiner Umgebung wahr? Welche Naturschutzthemen, Lebensräume oder Arten interessieren ihn? Kennt der Landwirt die Wildkräuter auf seinen Äckern und die Vögel in seinen Hecken? Wo liegen Fragen, Wünsche, Sorgen und Bedenken im Bezug auf ganz bestimmte Naturschutzthemen? usw.

Anschließend begeht der Kulturlandplanberater nach Möglichkeit alle Betriebsflächen. Bei Betrieben über 150 bis 200 ha Größe wird eine Auswahl an Flächen begangen. Es werden folgende naturschutzfachliche Kenngrößen erfasst:

  • Landschaftselemente: Größe (geschätzt) und Typ (Graben, Hecke, Saum, Baumreihe…) aller Landschaftselemente, die auf den Wirtschaftsflächen des Betriebs liegen oder angrenzen
  • Artenvielfalt der Wirtschaftsflächen: Vorkommen von Kennarten auf Acker und Grünland
  •  Hofstelle: Gestaltung der Hofstelle, naturnahe Elemente und Lebensräume für Tiere und Pflanzen

Neben diesen vorgegebenen Arbeitschritten ist es die Aufgabe des Kulturlandplanberaters, die wichtigen Themen in der Landschaft zu erfassen und erste Vorschläge und Ideen zur naturschutzfachlichen Verbesserung sowie konkrete Naturschutzmaßnahmen zu entwickeln.

(3) Auswertung

In der Auswertung wird die Bewertung des Ist-Zustandes nach der Methodik der Ökologischen Standortbestimmung ermittelt. In einem weiteren Schritt stellt der Kulturlandplanberater diese Ergebnisse in einen direkten Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Betrieb.

In Abhängigkeit von den Ergebnissen sollen folgende Fragen beantwortet werden: Was sind die naturschutzrelevanten Themen? In welchen Bereichen besteht Handlungspotenzial, d.h. kann der Betrieb in Zukunft mehr leisten oder stehen das Betriebskonzept, Rahmenbedingungen o.ä. dem entgegen? Wo lässt sich konkret etwas verbessern?

Ein Beispiel: Ein Betrieb mit dem wichtigsten betrieblichen Standbein Milcherzeugung hat Defizite im des Anteil extensiv genutzter Grünlandflächen. Aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Milcherzeugung und weil der Betrieb jetzt schon mit Futterknappheit zu kämpfen hat, gibt es aber in den nächsten Jahren keine Möglichkeit Flächen zu extensivieren, ohne die wirtschaftliche Situation des Betriebs deutlich zu verschlechtern. Es lässt sich also der Schluss ziehen, dass der Betrieb in diesem Bereich kein/nur sehr geringes Handlungspotenzial hat.

Aus den Ideen der Flächenbesichtigung wird eine vorläufige Ideenliste einschließlich Karte erarbeitet.

(4) Beratungsgespräch zu den Maßnahmenvorschlägen

Inhalt: Landwirt und Berater diskutieren die Liste mit Maßnahmenvorschlägen
Ziel: abgestimmte Maßnahmenliste für den Kulturlandplan, Maßnahmenvorschläge nach Wünschen und Wissen des Landwirts optimieren

Neben der Betriebs- und Flächenbegehung ist der zweite Hofbesuch zum Beratungsgespräch zu den Maßnahmenvorschlägen ein zentraler Punkt der Kulturlandplanberatung. Der Berater stellt dem Landwirt die Ergebnisse der Ökologischen Standortbestimmung vor und erläutert, wo er Handlungsmöglichkeiten sieht. Die Liste mit Maßnahmenvorschlägen wird dann gemeinsam durchgesprochen. Wichtigstes Prinzip für diesen Beratungsschritt ist, dass der Landwirt entscheidet, welche Maßnahmen schließlich in den Kulturlandplan aufgenommen werden.

Es kann verschiedene Gründe geben, warum sich ein Landwirt gegen eine bestimmte Maßnahme entscheidet. Häufig liegt es an äußeren Bedingungen. Eine Heckenpflanzung auf einem Ackerschlag kann z.B. daran scheitern, dass es sich um eine Pachtfläche handelt und der Verpächter für derartige Maßnahmen nicht aufgeschlossen ist. Auch Zeitmangel oder zu hohe Kosten für die Maßnahmenumsetzung können gute Gründe sein.

Das Gespräch dient aber auch dazu, das Wissen und die Ideen des Landwirts für eine gute Maßnahmenplanung zu nutzen. Häufig entstehen so die besten Maßnahmen, die wirklich gut zu dem Betrieb passen und mit deren Umsetzung der Landwirt keine Schwierigkeiten haben wird.